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1523 Potegaw
Bedeutung nicht bekannt.
Andere Schreibweisen:
Pottegow
Pottingowe
Pottenkow
Pottenkaw
Pottenhagen
Nicht bekannt
Pottangow, Bahnhof
Pottangow, Postamt
Pottangow, Siedlung
442 ha
1939: 647
Schurow
Grumbkow
Grumbkow
Stolp
Seit 1932 gab es im Ort ein eigenes Schulgebäude.
Die nächste Bahnstation befand sich in Pottangow auf der Strecke Stolp−Danzig.
Pottangow besaß eine eigene Poststation.
I. Die Familie Puttkammer
1428–1684/86: Laut Familiengeschichte der Puttkammers gehörte Pottangow, zunächst als Vorwerk von Darsin, dieser Familie.
1523: In der Musterrolle wird Peter von Putkummer tho Pottegaw genannt.
II: Die Familie Grumbkow
1684/86: Pottangow wird von den Grumbkows erworben und damit, gemeinsam mit Darsin, an den Besitzkomplex Lupow angegliedert.
1717: Laut Hufenklassifikation wird Tit. David von Grumbkow als Besitzer genannt und als Pächter Hans Wokker – keine Bauern.
1778: Am 21. September stirbt der der letzte grumkowsche Besitzer Major Philipp Wilhelm von Grumbkow. Pottangow gelangt mit den anderen Grumbkowschen Lehnen in den Besitz seiner Tochter Friederike, verwitwete von Podewils. Der Leutnant Friedrich Wilhelm von Grumkow lässt diese Erbschaft anfechten. Aber am 29.12.1779 wird per Gerichtsurteil das Erbe bestätigt.
1800: Friederike überlässt ihre Güter ihren beiden Töchtern Albertine Friedrike Sophie (seit 1789 mit Major Ernst Friedrich Otto von Bonin verheiratet) und der Majorin von Czarnowski. Bereits 1805 kamen sie überein, dass alle Güter in den alleinigen Besitz von Albertine kommen sollen. Als sie starb (1818) ging der Besitz auf ihren Gemahl über.
III. Die Familie Bonin
So gelangte Pottangow an die Familie Bonin. Laut Pagel wurde Pottangow seit Ende des 18. Jh., nach Bewilligung von besonderen Pfandbriefen, als eigenes Gut angesehen. Der zum Generalleutnant beförderte Ernst Friedrich Otto lebte bis zu seinem Tod (1822) in Lupow. Einige Jahre nach seinem Tod, fand die Verteilung seines bedeutenden Grundbesitzes statt.
1826: Die Kinder des verstorbenen Ernst Friedrich Otto setzen sich per Erbvertrag am 25. März auseinander. Generalleutnant Otto Heinrich Ferdinand, sein dritter Sohn, erbt das Gut Pottangow, zusammen mit anderen Gütern im Landkreis Stolp. Er war mit Passion Soldat, verpachtete seine Besitzungen und übernahm die Bewirtschaftung seiner Güter erst, nachdem er als Generalleutnant aus dem Dienst schied. Da er selbst kinderlos war, verfolgte er schon seit längerem den Plan, aus seinen Gütern ein großes Fideikommiß (Majorat) zu konstituieren. Nach Überwindung vielfältiger Schwierigkeiten, die durch die Lehnsverhältnisse der Güter, aber auch durch die besonderen Ereignisse von 1848 (Revolution) verursacht waren, gelang die Durchsetzung des neuen Erbrechts erst viele Jahre später.
1855: In Gemeinschaft mit seinem jüngeren Bruder Friedrich Wilhelm Bogislav, kommen beide am 10. Dezember überein, den Güterkomplex Lupow, mit den Gütern Darsin, Groß Runow, Vangerske, Pottangow, Varzmin A, Zechlin (von Otto Heinrichs) und Lupow, Malzkow uns Sorkow (von Friedrich Wilhelm) zu einem Fideikommiß zu konstituieren. Das bedeutet, fortan unterliegt es einem Erbrecht, das zwischen einem gebundenen Besitzteil (dem Obereigentum) und einem Nutzungseigentum unterscheidet. Das Nutzungseigentum stand nur einem Familienmitglied zu, während das Obereigentum Familienbesitz war.
1862: Am 1. April stirbt General Otto Heinrich Ferdinand.
1877: Friedrich Wilhelm Bogislav stirbt – der Besitz fällt an den ältesten Sohn.
1931: Der letzte Besitzer Ernst von Bonin stirbt. Das ca. 415 ha große Gut wird parzelliert und Siedlerstellen werden geschaffen.
IV. Pottangow nach der „Aufsiedlung des Gutes“
Nach der Aufsiedlung verbleibt ein Restgut von 115 ha Land, welches Karl zum Winkel, aus der Familie des bisherigen Pächters, übernimmt.
1938: Das Gut besteht aus 90 ha Ackerland, 16 ha Wiesen, 9 ha Weiden und besitzt einen Viehbestand von 12 Pferden, 65 Stück Rindvieh und 120 Schweinen.
Bei der Parzellierung und Schaffung von Siedlerstellen spielte die Pommersche Landesgesellschaft m. b. H., Sitz in Stettin, eine entscheidende Rolle. Zunächst übernahm sie einen Großteil des Bodenbesitzes – auch in Pottangow. Bei der Schaffung von Siedlerstellen wurde häufig die Wirtschaftsform des „Rentenguts“ gewählt. Damit ist der Besitz gemeint, der gegen Übernahme einer festen Rente (neben der Geldrente war bei Einführung der peußischen Rentenguts-Gesetze 1892 auch an Naturalzahlungen gedacht, z. B. eine „Körnerrente“) zu Eigentum übertragen wurde. Der Besitzer musste die Rente dauernd zahlen und konnte sich nur durch Kapitalzahlung davon befreien.
Folgende Rentengutskolonisten, bzw. Rentenguts-Besitzer konnten für Pottangow ermittelt werden:
Die Bauten der Siedler in Pottangow umfassten in Regel das Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, das Stallgebäude mit Futterküche sowie die Scheune. Später kamen häufig Geräteschuppen, und Hühnerstall dazu. 1936 war der Besitz an Grund und Boden der P ommerschen Landesgesellschaft in vielen Fällen bereits gestrichen.
Außer dem Gut gab es noch 53 landwirtschaftliche Betriebe:
28 Betriebe mit 0,5 - 5 ha
8 Betriebe mit 5 - 10 ha
15 Betriebe mit 10 - 20 ha
2 Betriebe mit 20 - 100 ha
Pro ha lag der durchschnittliche Grundsteuerreinertrag bei 7,41 Reichsmark, im Kreisdurchschnitt lag der Ertrag dagegen nur bei 5,95 RM. Pottangow lag damit deutlich über dem Kreisdurchschnitt.
Diese landwirtschaftlichen Betriebe wurden nicht nur von Landwirten betrieben – im Gegenteil, viele Besitzer wurden erst zu Landwirten durch den neu entstandenen Besitz. Es gab alle Formen der Mischbewirtschaftung. Zum Beispiel war Hugo Stach Schmiedemeister, aber er besaß auch Ackerland; ebenso wie der Postschaffner Ewald Stach, der Elektromeister Karl Horn oder der Kaufmann Ewald Stark.
Dieser kleine Kartenausschnitt zeigt das bewegte ländliche Leben der Region in ganz individueller Weise auf. Mittendrin die Eisenbahn, so konnte sich Pottangow zu einem wirtschaftlichen Zentrum für die ländliche Umgebung entwickeln. Der wirtschaftliche Erfolg zeigte sich auch auf dem genossenschaft-lichen Sektor. So richtete der „Stolper Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein“ eine Zweigniederlassung in Pottangow ein. Es gab aber nicht nur Erfolgsmeldungen über eine gut florierende Wirtschaft/Landwirtschaft aus Pottangow. So konnte man im Stolper Kreisblatt auch anderes lesen:
"Das Sicherungsverfahren gegen die Bauern Christian Bredemeier, eröffnet am 30. November 1931 und Fritz Tiermann, eröffnet am 05. Dezember 1931 wird am 12. Februar 1934 wieder aufgehoben." (Stolper Kreisblatt Nr. 7 v. 14.02.1934, S.27)
Die Not hatte im Osten des Deutschen Reiches ein derartiges Ausmaß angenommen, dass zur Abwendung von Zwangsvollstreckungen und damit zur Sicherung der Ernte der Inhaber eines landwirt. Betriebes ein Sicherungsverfahren beantragen konnte, wenn er außerstande war, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, ohne das Einbringen der Ernte zu gefährden. Der Betrieb unterstand dann der Aufsicht eines Treuhänders, Zwangsvollstreckungen, usw. wurden ausgesetzt.
Viele der neuen Besitzer, bei denen es sich um Handwerkermeister handelte, bauten zusätzlich Werkstätten oder statteten die Stallgebäude mit Werkstatt aus. Beispiele:
Geschäfte und handwerkliche Betriebe in Pottangow:
| Bäcker | Wilhelm Knak | Maurermeister | Hackbarth |
| Baugeschäft | Reinhold Ney | Mühle | Hans-Jürgen Frankenstein Kom.-Ges. |
| Baustoffhandlung | Karl Massel | Adolf Pleines | |
| Brunnenbauer | E. Fritzsche | Rundfunkgeschäft | Gottfried Burandt |
| Elektroinstallateur | Karl Horn | Sattler | Robert Reichel |
| Fleischer | Mehring | Schlosser | W. Schacht |
| Friseur | F. Hanke | Hugo Stach (Maschinenreparaturwerkstatt) | |
| Fuhrgeschäft | W. Schacht | Schmiede | Wilhelm Hoppe |
| Gasthof im Bahnhof | Agnes Schulz | K. Schönegge | |
| Gasthof | E. Stark | Schneider | H. Töpper |
| Gemischtwarenhandlung | Wilhelm Hildebrandt | Schuhmacher | Guske |
| Kolonialwarenhandlung | Kurt Gast | Viehbranz | |
| Richard Neitzke | Tischler | Scharnowski | |
| Manufakturwarenhandlung | Erwin Olsen | Willi Sperber | |
| Robert Reichel | J. Troike | ||
| Viehhandlung | Artur Fleming | Zimmermeister | Albert Röhnke |
| Reinhold Wenzlaff |
Der Gemischtwarenhändler Rudolf Macholl wurde aus rassischen Gründen nach 1933 verfolgt und musste sein Geschäft schließen. Eine Zeitzeugin berichtet, das sie und ihre Mitschülerinnen sehr erschreckt waren, als sie hörten, dass das Geschäft von einem auf den anderen Tag geschlossen worden war und die Familie Macholl Pottangow bereits verlassen hatte. Die meisten Schülerinnen und Schüler kannten die sehr kinderfreundlichen Macholls und deren Geschäft sehr gut. Das muss bereits vor 1936 gewesen sein, weil die Zeitzeugin 1936 nach Langeböse umgezogen ist.
Besonders am Bahnhof waren auch Lagerschuppenbauten oder Kontore von Kaufleuten und Gesellschaften verbreitet. Der Kaufmann Eduard Frankenstein aus Stolp baute An der Eisenbahn Nr. 24 einen Lagerschuppen mit Mühle (1931).
1931 war Hr. Boehnke kommissarischer Gemeindevorsteher.
1937 war Johannes Troike (Tischler) Bürgermeister.
Pottangow, an dem zweigleisigen Schienennetz der Reichsbahn gelegen, verfügte über einen eigenen Bahnhof.
So konnte sich Pottangow gut zu einem Umschlageplatz für die Landwirtschaft entwickeln. Die Bahnstrecke Stolp - Danzig war zwischen 1869 - 1870 erbaut worden.
ln diesem Weichenstellwerk arbeitete der Reichsbahnangestellte Gustav Heinrich Rettke *28.10.1889.
Ab Winter 1946/47 musste ein Gleisstrang, vornehmlich von deutschen Frauen, abmontiert und als Reparationsleistung an die Sowjetunion ausgeliefert werden.
Weitere Bahnwärterhäuser zwischen Pottangow und Langeböse:
Bahnwärterhaus 184: Rettke
Bahnwärterhaus 185: Pomplun, ab ca. 1939: Jung
Bahnwärterhaus 186: Laugisch
Bahnwärterhaus 187: Wendt
(Quelle: Zeitzeugen Rettke)
1870: Die Postanstalt in Pottangow wird als Postexpedition 2. Klasse eröffnet (Amtsblatt Reichspost Nr. 63/1870)
Ab 01.01.1876: Postamt 3. Klasse
1927: Ebenfalls Postamt 3. Klasse
Namen und Daten:
Postverwalter: 1886 Fernau; 1892 Nitschke; 1898 Heller
Postassistent: 1883 Fernau
Briefträger/Postboten: 1883 Radde; 1886 Taube, Krause, Sehn, Daske; 1892 Thrun, Paeth; 1898 Döring, Pieper
Postgehilfen: 1883 Seibbe; 1884 Ritter; 1885 Menart; 1887 Kölze; 1892 Robbert; 1898 Lange
Die Bevölkerung war vorwiegend evangelisch. 1925 hatte Pottangow nur gut 10% Bewohner mit kath. Konfession. Die Gemeinde Pottangow gehörte zum Kirchspiel Schurow und damit zum Kirchenkreis Stolp-Altstadt.
1932 gab es in Pottangow eine zweistufige Volksschule. Hier wurden 99 Schulkinder unterrichtet. Als Lehrer waren tätig: 1. Exner, 2. Richard Koglin (er hatte von 1935- 1945 die erste Lehrerstelle) und Franz Schröder.
Die Kinder aus Klein-Gluschen gingen etwa zwischen 1930 und 1945, nach dem Besuch der dortigen vierklassigen Grundstufe, ab der 5. Schulklasse ebenfalls nach Pottangow zur Schule.
Als Arzt war Dr. H. Beyer und als Zahnarzt H. J. Runne tätig. Die Hebamme hieß Berta Golchert.
Zur Impfveranlassung heißt es:
"Den Impfärzten ist auf Erfordern die Schreibhilfe zu stellen. Die Herren Gemeindevorsteher sowie die Herren Lehrer ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die Impfräume (Schulen) mindestens zwei Stunden vor Beginn der Impfung naß gereinigt und gelüftet werden und mit Waschgelegenheit versehen sind.
Die Schulzimmer sind soweit auszuräumen, daß nur noch an den Seiten Sitzgelegenheiten für die Impflinge und ihre Angehörigen vorhanden sind.
Bei Vorhandensein eines Warteraumes (zweites Klassenzimmer) ist auch dieser entsprechend auszuräumen. Die Schulvorstände wollen wegen Ausräumung und Reinigung der Schulzimmer die Rundverfügung der Regierung … Amtl. Schulblatt … 1900 besonders beachten…
Die Impflinge sollen rein gewaschen in sauberen Kleidern erscheinen. Für eine trotzdem noch erforderliche Reinigung im Termin selbst ist Wasser und Seife zu beschaffen …
Die Herren Gemeindevorsteher haben ferner den Impfarzt zu benachrichtigen, sobald im Orte ansteckende Krankheiten, wie Scharlach, Diphtherie, Kropf, Keuchhusten, Flecktyphus, rosenartige Entzündungen pp. auftreten…"